Direkt zum Einleitungs-Teaser Direkt zum Inhalt Direkt zur Fußzeile
elite Unis für alleFür ein Österreich der Jungen

Von geplatzten Träumen und einem kaputten System

Mein Name ist Nino Rohrmoser und ich studiere seit drei Jahren an der WU Wien. Ich habe allerdings ursprünglich mit Technischer Mathematik an der TU Wien angefangen. Schon währen meiner Zeit in der Schule wollte ich Mathematik studieren und ich war so entschlossen, dass ich sogar während meines Zivildiensts begonnen habe, mich auf das Studium vorzubereiten. Ich wollte ein gutes Studium zügig absolvieren und Leistung erbringen.

  

Der Traum von einem qualitativen Studium ist aber schnell geplatzt. Mein erster Tag an der TU Wien hat damit begonnen, dass ich mir einen Platz am Boden des Hörsaals suchen musste – kein Tisch zum Mitschreiben, geschweige denn eine Steckdose für meinen Laptop. Das Gefühl, in einem fensterlosen Raum für 170 Personen mit weiteren 300 Studierenden zu sitzen und zu versuchen, sich drei Stunden lang zu konzentrieren, ist schwierig zu beschreiben. Es kommt auf jeden Fall der Massentierhaltung näher als dem, was ich mir unter meinem Studium in Österreich, auf das ich mich so lange Zeit vorbereitet und gefreut hatte, vorgestellt habe.

  

Nach den ersten zwei Wochen an der TU hatten bereits so viele meiner Kolleginnen und Kollegen das Handtuch geworfen, dass ich kaum jemanden wiedererkannt habe. Die Studienbedingungen waren weiterhin jenseitig, denn ein viel zu stark überlaufenes Studium bedeutet auch, dass selbst nach einem Monat niemand deinen Namen kennt. Dass dir niemand sagt wie du am besten im Studium vorankommst, weil sich in Wirklichkeit auch niemand dafür interessiert. Dazu kam noch eine technische Ausstattung aus dem vorigen Jahrtausend: Overhead-Projektoren statt Beamer und Kreidetafeln statt Smartboards. Ich konnte nicht glauben, dass das die Studienbedingungen in einem hochentwickelten, reichen Land wie Österreich sein sollen. Irgendwann habe ich erkannt, dass ein Studium unter diesen Bedingungen für mich keine tragbare und sinnvolle Option mehr war und das, obwohl ich schon während meiner Schulzeit von einem Mathematikstudium träumte. Deswegen kehrte ich der TU den Rücken zu, um mein Glück an der WU zu probiert. Hier gibt es zwar ebenfalls das Problem der astronomisch hohen Studienanfänger_innen , aber die Bedingungen sind alleine aufgrund des modernen Campus besser zu ertragen. Technisch entspricht die WU dem Mindeststandard, den ich mir in Österreich erwartet habe und alle Studierenden verdient haben.

 

Aufgrund dieser negativen Erfahrungen bin ich 2016 zu den JUNOS Studierenden gegangen und habe 2017 bei den ÖH-Wahlen für die Bundesvertretung kandidiert. Ich, als frisch gewählter Mandatar der JUNOS, war der Überzeugung, dass ich in der Bundesvertretung auf Menschen wie uns JUNOS treffen würden, die genauso die Probleme an Österreichs Hochschulen erlebt haben und sich deshalb für bessere Bedingungen für uns Studierende einsetzen wollen. Aber da musste ich leider schnell bemerken, dass das ein naiver Wunschtraum war. Kaum jemand der anderen Fraktionen war auch nur ansatzweise an echten Lösungsvorschlägen interessiert. Ganz im Gegenteil: Die meisten wollten die Probleme an unseren Hochschulen nicht einmal wirklich anerkennen, da sie nicht in das eigene ideologie-getriebene, parteipolitische Weltbild passten. Ein solcher aktiver Verrat an den Studierenden, die uns als gewählte Mandatare und Mandatarinnen ihre Stimme und ihr Vertrauen geschenkt hatten, war und ist für mich unbegreiflich. Ich will mehr für uns Studierende und bin auch bereit dafür zu kämpfen. Ich will, dass ein qualitatives Studium kein Luxus ist, für den man ins Ausland flüchten muss, um Studienbedingungen im 21. Jahrhundert zu genießen. Ich will die besten Hochschulen hier in Österreich für uns Studierende.

Zum Newsletter anmelden